
In einer Zeit, die von Fachkräftemangel, Digitalisierung, KI und sich verändernden Geschäftsmodellen geprägt ist, stehen Unternehmen vor der Herausforderung, sich in einem dynamischen Umfeld zu behaupten. Diese Dynamik erfordert vor allem eins: eine vitale Lernkultur. Sie dient als treibender Motor für den Erfolg.
Denn eine Lernkultur, die nicht nur individuelles Wachstum fördert, sondern auch die Kreativität und Innovation in der Zusammenarbeit in Teams und darüber hinaus entfacht, bedingt die Veränderungs- und Anpassungsfähigkeit einer Organisation. In diesem Beitrag finden Sie vier hilfreiche Tipps zur Kommunikation in Unternehmen, um eine positive Lernkultur zu etablieren.
Die Grundlage für eine solche Lernkultur bilden geteilte Werte, Überzeugungen und Praktiken. Dabei wird der Einfluss bewusster Sprache als fundamentale Basis oft unterschätzt! Denn Sprache dient nicht nur als Kommunikationsmittel, sondern formt auch maßgeblich unser Denken, Fühlen und Handeln. Positive und unterstützende Worte können die Lernmotivation steigern, während eine negative oder demotivierende Sprache Lernen, Entwicklung und Veränderung zu einer frustrierenden Herausforderung machen kann.
Bewusste Sprache und Kommunikation manifestieren sich besonders in vier relevanten Themenbereichen:
Effektive Kommunikation spielt in der Lern- und Entwicklungslandschaft eine zentrale Rolle für die Vermittlung von Werten und den Erwartungen an die Lernbereitschaft. Dies wird besonders deutlich, wenn man betrachtet, wie Kommunikation und Sprache unsere Reiz-Reaktionsmuster und damit unser Lernverhalten beeinflusst.
Wie Informationen präsentiert werden, beeinflusst direkt, wie Menschen sie verarbeiten. Klare und einfache Sprache fördert das Verständnis, stärkt das Interesse und die Motivation. Vage Aussagen können hingegen für Verwirrung sorgen und das Interesse mindern. Eine klar verständliche Kommunikation zum Thema Lernen ermuntert Mitarbeiter*innen also dazu, ihre Weiterbildung zu fördern und ihre Fähigkeiten zu stärken.
Dabei wirken:
Ein Beispiel: Statt zu sagen, dass Mitarbeitende sich im Marketing weiterentwickeln sollten, könnten wir präziser sagen: "Wir möchten, dass Sie Ihre Kenntnisse im Bereich digitales Marketing vertiefen. Ein Online-Marketing-Kurs könnte Ihnen dabei helfen. In den nächsten sechs Monaten wollen wir die Sichtbarkeit unseres Unternehmens durch eine erfolgreiche Social Media Kampagne steigern. Daher bitte ich Sie, in den nächsten drei Monaten eine Weiterbildung zum Thema Online-Marketing auszuwählen und zu absolvieren. Bauen Sie dann klare Ziele für die Kampagne auf, die unsere Marketingstrategie umsetzt."
Solche klaren Aussagen ermutigen Mitarbeiter*innen dazu, sich klare Lern- und Entwicklungsziele zu setzen und eine Vision von Verbesserungen zu entwickeln. Denn durch klare und konkrete Kommunikation werden Erwartungen und Ziele transparenter vermittelt, was die Motivation und Umsetzung fördern. Statt vager Aussagen über persönliches Wachstum betont das Beispiel die spezifische Weiterentwicklung im digitalen Marketing.
Es zeigt darüber hinaus, dass das Unternehmen die individuellen Fähigkeiten seiner Mitarbeiterinnen schätzt und entwickeln möchte. Zudem wird die Bereitschaft des Unternehmens signalisiert, Ressourcen für die persönliche und berufliche Entwicklung seiner Mitarbeiterinnen bereitzustellen. Die Festlegung eines klaren Ziels – die Steigerung der Sichtbarkeit des Unternehmens durch eine Social Media Kampagne – motiviert und klärt Erwartungen.
Die Ergebnisse sprachwissenschaftlicher Forschung verdeutlichen immer wieder den Einfluss von Kommunikation auf die Atmosphäre und das Klima in Unternehmen sowie auf deren Lernkultur (vgl. z.B. T.L. Gargiulo: The Strategic Use of Stories in Organizational Communication and Learning, 2005 sowie E.M. Eisenberg: Organizational Communication: Balancing Creativity and Constraint, 1997). Eine respektvolle Kommunikation erlaubt es Lernenden, sich frei auszudrücken, Fragen zu stellen und Bedenken zu äußern – die Voraussetzung, um gesundes und nachhaltiges Lernen überhaupt erst zu ermöglichen. Auch im Business ist es also wichtig, achtsam mit Worten umzugehen, da sie stets eine Bedeutung bzw. Bewertung mit sich tragen. Diese sogenannte semantische Bedeutung vermittelt Information und Sinn, indem einzelne Wörter miteinander in Beziehung stehen.
Ein Beispiel:Manchmal gibt es in Gesprächen Nachfragen, die – zumindest gefühlt – auf den ersten Blick unnötig erscheinen. Bei der Antwort haben wir aber immer die Wahl: Betonen wir den vermeintlichen Fehler oder den positiven Aspekt, nämlich die Suche nach Klarheit? Anstatt eine Frage abzuwerten mit "Es sollte eigentlich offensichtlich sein – Aber gut, ich werde es noch einmal erklären", können wir positiv reagieren: "Es gibt keine überflüssigen Fragen, und es ist großartig, dass Sie nach Klarheit suchen. Lassen Sie mich das gerne genauer erklären, damit es für alle verständlich wird."
Durch eine positive und unterstützende Reaktion auf Nachfragen fördern wir nicht nur die psychologische Sicherheit, sondern schaffen auch eine Umgebung, in der sich die Teammitglieder wohlfühlen und offen kommunizieren können. In einer solchen Atmosphäre steigt die Bereitschaft zur Zusammenarbeit, kreative Lösungen entstehen, und die Teammitglieder fühlen sich ermutigt, ihr volles Potenzial einzubringen.
Keine Zeit zu lernen? Das kennt fast jeder und Zeitmangel ist einer der größten Verhinderer von Lernen in Unternehmen. Damit die Integration von Lernen in den Arbeitsalltag gelingt, braucht es eine klare und effektive Kommunikation über das tagtägliche Lernen. Wie Menschen in Unternehmen auf die Investition von Arbeitszeit in den Lernprozess reagieren, ist ausschlaggebend für die Gestaltung einer positiven Lernumgebung.
Negative Einstellungen wie die Betrachtung von Weiterbildung als Ablenkung von der eigentlichen Arbeit können den Lernprozess erheblich erschweren. Ein solches Beispiel für eine weniger optimale Reaktion könnte sein: "Oh, du lernst jetzt? Dafür habe ich ja keine Zeit. Ich habe hier gerade ein dringendes Thema mit dir zu besprechen, konzentriere dich besser darauf und damit wieder auf die Arbeit."
Unternehmen, die eine Anerkennung und Integration des Lernens fördernde Herangehensweise verfolgen, verwenden positivere Formulierungen, zum Beispiel: „Entschuldige, dass ich dich beim Lernen unterbreche. Ich stecke gerade mitten in einem dringenden Thema und brauche deine Hilfe, um weiterzukommen. Könnten wir uns kurz abstimmen? Übrigens, vielleicht könntest du mir später etwas über dein E-Learning erzählen. Das könnte auch für mich interessant sein.“ Diese Reaktion betrachtet die Ablenkung als vorübergehende Unterbrechung, zeigt Interesse am Lernprozess und unterstreicht eine unterstützende und integrative Haltung.
In semantischer Hinsicht wird hier die Feinheit deutlich, dass die positive Reaktion nicht nur den Lernenden respektiert, sondern auch die Gelegenheit schafft, den Lernprozess als wertvollen Beitrag zur persönlichen und beruflichen Entwicklung zu betrachten. Dies unterstützt die Idee, dass Unternehmen eine Kultur fördern sollten, in der das Lernen als integraler Bestandteil der Arbeitspraxis betrachtet wird. Die Verwendung einer unterstützenden Sprache betont die Bedeutung von kontinuierlicher Weiterbildung und schafft somit die Grundlage für eine positive Lernkultur.
Sprache hat nicht nur in der zwischenmenschlichen Kommunikation über das Lernen, sondern auch innerhalb der Gestaltung von Lerninhalten Auswirkungen auf unsere Lernkultur. Die Art und Weise, wie Lerninhalte präsentiert werden, beeinflusst das Verständnis und die Aufnahmebereitschaft der Lernenden. Dabei fungiert der Lerninhalt auch als Vorbild für eine einfache, klare, verständliche Art und Weise der Wissensvermittlung. Oder einfach gesagt: Wenn man im Lerninhalt merkt, wie hilfreich einfache, klare, verständliche Sprache ist, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass man sich selbst einer solchen Sprache bedient.
Denn gelungene Lerninhalte verwenden eine einfache Sprache, verständliche Begriffe und Definitionen, um Missverständnisse zu vermeiden und das Verständnis zu fördern. Darüber hinaus kann die Wahl der Worte und die semantische Struktur dazu beitragen, die Aufmerksamkeit der Lernenden zu lenken und ihr Interesse zu wecken. Beispielsweise können bildhafte Sprache, leicht nachvollziehbare Beispiele oder auch einfache Metaphern dazu beitragen, abstrakte Konzepte greifbarer zu machen.
Um dies konkret umzusetzen, könnte beispielsweise beim Training der Kundenkommunikation im Vertrieb die Verwendung von bildhafter Sprache dazu dienen, den Prozess der Bedarfsermittlung als "Schlüssel zum Herzen des Kunden" zu beschreiben, um abstrakte Konzepte fassbarer zu machen und den Lernprozess zu verbessern.
Bei der Gestaltung von Lerninhalten helfen zusätzlich folgende Tipps:
Sprache bildet die Grundlage für eine positive Lernumgebung, indem sie alle Aspekte vom klaren Formulieren von Lernzielen bis zur Gestaltung der Lerninhalte berührt. Sie fungiert als Bindeglied zwischen den Lernenden und ihren Unternehmen mit ihrer Kultur, Werten und Erwartungen. Eine gezielte und achtsame Verwendung der Sprache ermöglicht es, den Lernprozess nahtlos als integralen Bestandteil der Arbeitszeit zu verankern.
Sprache ist also nicht nur ein unterstützendes Element, sondern treibende Kraft und der Schlüssel zu einer erfolgreichen und nachhaltigen Lernkultur und von entscheidender Bedeutung für den dauerhaften Unternehmenserfolg. Unternehmen sollten ihrer Sprache viel Aufmerksamkeit schenken, denn sie ist ein machtvolles Gestaltungswerkzeug in der Lern- und Arbeitswelt.