Ausbildung gestalten: Wie der Ausbildungsstart im Mittelstand gelingt



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Ausbildung gestalten: Wie der Ausbildungsstart im Mittelstand gelingt

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Der erste Eindruck zählt – das gilt beim Ausbildungsstart umso mehr.

Angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels stehen mittelständische Unternehmen vor einer zentralen Herausforderung: Wie gelingt es, junge Talente nicht nur für sich zu gewinnen, sondern sie vom ersten Tag an langfristig zu binden?

Diese Fragestellung haben wir im folgenden Beitrag zusammen mit unserer Expertin Enikö Varadi, Senior Corporate Recruiterin bei Peras, und Mihaela Stengele-Munteanu, Ausbildungsleiterin bei Peras, im Detail betrachtet.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Hohes Risiko in der Frühphase: Fast 30 % aller Ausbildungsverhältnisse werden vorzeitig gelöst – ein Drittel davon bereits in der Probezeit.
  • Weiche Faktoren entscheiden: Über die Hälfte der Abbrüche erfolgt aufgrund von Konflikten, mangelnder Wertschätzung oder fehlender Kommunikation.
  • Struktur & Hilfsmittel nutzen: Die offiziellen BIBB-Umsetzungshilfen bieten einen rechtssicheren Rahmen für die Praxis.
  • Die Investition in die Ausbildung zahlt sich aus: Gelingt die Ausbildung, bleiben rund 80 % der ausgelernten Fachkräfte im Betrieb – ein historischer Höchstwert.

Warum der erste Eindruck zählt: Wertschätzung von Tag eins an

Die Erwartungen der neuen Generation an den Arbeitsplatz haben sich gewandelt. Junge Menschen suchen Sinnhaftigkeit, Orientierung und eine offene Kommunikation. Ein verpatzter Start durch fehlende Vorbereitung oder unklare Abläufe führt schnell zu Frustration und im schlimmsten Fall zu einer frühzeitigen Kündigung in der Probezeit.

Für mich beginnt eine erfolgreiche Ausbildung lange vor dem ersten Arbeitstag. Ein wertschätzender Recruitingprozess, ehrliche Einblicke und eine Kommunikation auf Augenhöhe schaffen Vertrauen – und damit die Basis für einen gelungenen Start.

Mihaela Stengele-Munteanu, Ausbildungsleiterin bei Peras

Wertschätzung zeigt sich dabei vor allem in den Details:

  • Ein vorbereiteter Arbeitsplatz: Vom PC-Zugang bis zu den Arbeitsmaterialien sollte am ersten Tag alles bereitstehen.
  • Feste Ansprechpersonen: Ein Patenmodell, bei dem erfahrene Kolleginnen und Kollegen oder Auszubildende aus höheren Lehrjahren den Neustart begleiten, nimmt die erste Nervosität.
  • Willkommens-Kultur: Ein kleines Begrüßungs-Kit oder ein gemeinsames Mittagessen im Team signalisieren direkt: „Wir freuen uns auf dich!“

Warum viele Ausbildungen frühzeitig scheitern

Dass die „Chemie“ und das soziale Gefüge im Betrieb oft wichtiger sind als harte Fakten, belegen die offiziellen Daten des jährlichen Berufsbildungsberichts des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend eindringlich. Weiche Faktoren sind heute der Hebel schlechthin, um Abbrüche zu verhindern.

  • Die kritische Frühphase: Die bundesweite Vertragslösungsquote bewegt sich konstant auf einem hohen Niveau von fast 30 %. Das Alarmsignal für HR: Rund ein Drittel dieser Auflösungen erfolgt bereits in den ersten vier Monaten – also direkt in der Probezeit. Bis zum Ende des ersten Jahres sind es sogar zwei Drittel.
  • Konflikte als Hauptursache: Über 50 % der Auszubildenden, die ihre Ausbildung vorzeitig beenden, nennen Konflikte mit dem Ausbildungspersonal, Führungskräften oder dem Team als primären Grund.
  • Mangelnde Kommunikation: Mehr als die Hälfte der Nachwuchskräfte beklagt eine unzureichende Feedbackkultur. Wenn Lob und konstruktive Rückmeldungen fehlen, wird dies schnell als Desinteresse oder mangelnde Sympathie interpretiert.

Diese Zahlen verdeutlichen: Wer die eigene Ausbildung gestalten und Auszubildende halten möchte, muss zwingend bei der Beziehungsarbeit und der Onboarding-Qualität ansetzen.

Den Ausbildungsstart strategisch angehen

Um eine Ausbildung zu realisieren, die sowohl fachlich als auch menschlich überzeugt, braucht es Struktur statt Improvisation.

Orientierung geben statt Überforderung riskieren

In den ersten Tagen prasseln unzählige neue Eindrücke auf die Nachwuchskräfte ein. Strukturieren Sie die erste Zeit daher ganz bewusst. Statt direkt tief in komplexe Fachaufgaben einzusteigen, sollte der Fokus auf dem Kennenlernen des Unternehmens, der Prozesse und der Unternehmenskultur liegen. Eine schrittweise Einführung in digitale Werkzeuge – wie die Zeiterfassung oder das HR-Portal – gibt zusätzliche Sicherheit.

Nicht vergessen: Für viele Auszubildende beginnt eine neue Lebensphase

Für viele Nachwuchskräfte ist der Ausbildungsstart nicht bloß ein neuer Job, sondern der allererste Kontakt mit der Arbeitswelt überhaupt. Der Übergang von der strukturierten, oft theoretischen Schulzeit in eine 40-Stunden-Woche im Betrieb und in der Berufsschule ist eine enorme mentale und physische Umstellung.

Machen Sie sich im HR-Team und im Kreis der Führungskräfte bewusst, dass viele ungeschriebene Gesetze des Berufsalltags für junge Menschen absolutes Neuland sind:

  • Wie melde ich mich im Krankheitsfall richtig und rechtzeitig?
  • Wie formuliere ich eine professionelle E-Mail an Kundschaft oder Management?
  • Wie verhalte ich mich in Meetings und wie teile ich mir meine Kräfte über den Tag ein?

Eine geduldige, erklärende Begleitung in den ersten Wochen nimmt den Jugendlichen die Angst vor Fehlern, baut Unsicherheiten ab und schafft von Beginn an ein tiefes Vertrauensverhältnis zum Unternehmen.

Rechtliche und organisatorische Leitplanken nutzen

Die inhaltliche Planung muss das Rad nicht neu erfinden. Für die rechtssichere und praxisnahe Planung der Ausbildungsabschnitte empfehlen wir die offiziellen Umsetzungshilfen des Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), die oftmals noch von den Industrie- und Handelskammern (IHKs) regional für den Ausbildungsstandort angepasst werden. Diese Leitfäden helfen HR-Verantwortlichen dabei, den gesetzlichen Rahmen optimal mit Leben zu füllen.

Stimmen von Auszubildenden zur Ausbildung bei Peras

Rieke Eisele (ehemalige Auszubildende, mittlerweile festangestellt bei Peras):Von meiner Ausbildung im Büromanagement bei Peras hatte ich mir einiges erwartet. Einerseits war mir wichtig, dass mir die Lerninhalte praxisnah vermittelt werden, sodass ich das Gelernte direkt im Arbeitsalltag anwenden kann.

Zudem hoffte ich auf eine freundliche und unterstützende Arbeitsumgebung, in der ich mich wohlfühlen und von erfahrenen Kollegen lernen kann. Auch die Möglichkeit, flexibel im Homeoffice arbeiten zu können, war mir wichtig, um Beruf und Privatleben gut miteinander vereinbaren zu können.

Ich kann sagen, dass sich meine Erwartungen weitgehend erfüllt haben. Die Ausbildung ist sehr praxisorientiert und ich konnte bereits viele wertvolle Erfahrungen sammeln. Meine Kollegen sind sehr freundlich und hilfsbereit, was das Arbeitsklima sehr angenehm macht. Auch das Angebot, im Homeoffice zu arbeiten, hat mir besonders in stressigen Zeiten geholfen, flexibel zu bleiben."

Lisa Laube (Auszubildende im zweiten Jahr, Berlin):Ich hatte die Erwartung, unmittelbar in die Arbeitsprozesse integriert zu werden, anspruchsvolle Aufgaben zu erhalten und von Beginn an in die laufenden Projekte involviert zu sein, um mir die erforderlichen Kenntnisse anzueignen.

Meine Erwartungen wurden vollständig erfüllt und auch meine Wünsche wurden berücksichtigt. Meine Ideen werden berücksichtigt und in die weiteren Überlegungen miteinbezogen. Ich werde als vollwertiges Mitglied des Teams behandelt und in sämtliche Prozesse integriert.

Digitale Prozesse und moderne HR unterstützen die langfristige Bindung

Ein moderner Mittelstand zeichnet sich generell auch dadurch aus, dass administrative Hürden für die Belegschaft so gering wie möglich gehalten werden. Das gilt ganz besonders für die jüngere Generationen, die mittlerweile eine vollständig digitale Arbeitsumgebung erwartet.

Wenn Prozesse wie Urlaubsanträge, die Einsicht in den Ausbildungsnachweis oder die Arbeitszeiterfassung papierlos und intuitiv über ein Employee Self-Service (ESS) bereitgestellt werden, entlastet das nicht nur Ihre HR-Abteilung. Es zeigt den Auszubildenden auch, dass Ihr Unternehmen technologisch am Puls der Zeit agiert.

Und indem Sie administrative Prozesse rund um die Ausbildung digitalisieren, bleibt Ihren Führungskräften und HR-Verantwortlichen mehr Zeit für das, was wirklich zählt: die persönliche Betreuung, das ehrliche Feedback und die wertschätzende Förderung der Fachkräfte von morgen.

Nach dem geglückten Start: die weitere Ausbildungszeit

Wie beschrieben, ist ein gelungener Ausbildungsstart das Fundament für eine gelungene Ausbildung.

Wenn Sie die weitere Ausbildung gestalten, schaffen Sie die Brücke vom motivierten Auszubildenden zur loyalen Fachkraft. Ein kontinuierlich hohes Ausbildungsniveau, regelmäßige Entwicklungsgespräche und das schrittweise Übertragen von Eigenverantwortung zahlen sich für mittelständische Unternehmen am Ende doppelt aus.

Die Daten aus dem aktuellen Berufsbildungsbericht unterstreichen dies:

  • Hervorragende Erfolgsquote: Rund neun von zehn Prüflingen bestehen ihre Abschlussprüfung erfolgreich. Das zeigt, dass eine strukturierte Begleitung verlässlich zum Ziel führt.
  • Historischer Höchstwert bei der Bindung: Die Übernahmequote nach der Ausbildung liegt aktuell bei rund 80 %. Seit über 15 Jahren verblieben nicht mehr so viele frisch ausgelernte Fachkräfte direkt in ihrem Ausbildungsbetrieb.

Die Entwicklung eigener Talente beugt dem Fachkräftemangel vor

Angesichts des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels wird eine erfolgreiche Ausbildung zur wichtigen strategischen Maßnahme für den Mittelstand. Sie macht das externe Recruiting zwar keineswegs überflüssig, entlastet den Beschaffungsprozess für qualifiziertes Personal jedoch in der Regel spürbar:

  • Unabhängigkeit vom Markt: Mit einer Übernahmequote von 80 % besetzen Sie vier von fünf freien Fachkraft-Stellen direkt aus den eigenen Reihen – ganz ohne teure Stellenausschreibungen.
  • Perfekter Cultural Fit: Eigene Nachwuchskräfte kennen Ihre Prozesse, Ihre Softwarelandschaft und Ihre Kultur nach der Ausbildung in- und auswendig. Lange Einarbeitungsphasen entfallen komplett.
  • Sicherung von Know-how: Wenn erfahrene Mitarbeitende als Paten fungieren, sichern Sie den Wissenstransfer rechtzeitig, bevor ältere Generationen in den Ruhestand gehen.
  • Zukunftskompetenzen im Haus: Die junge Generation bringt eine hohe digitale Affinität mit. Diese "Future Skills" helfen dabei, moderne Prozesse im gesamten Unternehmen voranzutreiben.

Wer also Zeit und Energie in ein starkes Onboarding und ein faires Miteinander investiert, investiert nicht in ein temporäres Projekt, sondern sichert sich nachhaltig die eigene personelle Zukunft.

Fazit: Die Ausbildung gestalten heißt Zukunft sichern

Ein erfolgreicher Ausbildungsstart ist keine Frage des Zufalls, sondern das Ergebnis eines durchdachten Gesamtkonzepts. Angesichts hoher Abbruchquoten in der Probezeit sichern Sie sich durch ein wertschätzendes Onboarding, den Einsatz bewährter Tools wie den BIBB-Umsetzungshilfen und eine moderne, digitale HR-Infrastruktur einen echten Wettbewerbsvorteil. So binden Sie junge Talente nachhaltig an Ihr Unternehmen und stärken Ihre Arbeitgebermarke im Mittelstand.

Portraitfoto von Mihaela Stengele-Munteanu
Mihaela Stengele-Munteanu
Portraitfoto von Enikö Varadi
Enikö Varadi
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